Finanzplanung, Kapitalanlage
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Zinstief: Bausparkassen bröckeln vor sich hin

Auf diese Steine können Sie bauen. Der Werbespruch einer bekannten Bausparkasse kann wohl schon fast als Klassiker bezeichnet werden. Er ist zwar alt, funktionierte aber über Jahrzehnte lang ausgezeichnet. Doch damit ist jetzt wohl endgültig Schluss. Denn die niedrigen Zinsen bringen Bausparkassen in Existenznöte.

Bei Finanzexperten war der Bausparvertrag eigentlich nie sonderlich „sexy“. Doch die Bausparkassen waren kreativ und fanden immer wieder neue Wege, um sich in möglichst gleißendem Licht darzustellen. In Sachen Imagepflege kann man den Bausparkassen also keinen Vorwurf machen. Doch die Geschäftspolitik der vergangenen Jahre leidet jetzt an den niedrigen Zinsen. Und zwar so sehr, dass Altverträge kurzerhand gekündigt werden. Nicht von den Kunden, sondern von den Bausparkassen.

Versprechen sind zum Brechen da …

… zumindest scheint das derzeit bei vielen Bausparkassen der Fall zu sein. Der Grund ist zwar nachvollziehbar, macht die Sache für die Kunden aber nicht besser. Vor Jahren haben die Anbieter für Bausparverträge die Kunden mit Zinsversprechen von drei Prozent oder sogar noch mehr gelockt. Das sprach viele Kunden an. Das Versprechen gilt natürlich auch heute noch, doch genau das ist das Problem. Denn der Leitzins liegt nun schon lange auf Rekordtief, auf 0,05 Prozent hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihn inzwischen abgesenkt. Zweck der Übung ist die Ankurbelung der Wirtschaft durch günstige Kredite. Experten streiten heftig darüber, ob diese Maßnahme wirklich greift, doch für die Bausparkassen sind die Folgen spürbar. Sie sitzen auf Verträgen von Kunden, die sich hüten, ihre Policen zu kündigen. Schließlich bekommt man auf Tagesgeldkonten und vergleichbaren Anlageformen heute nicht mal ansatzweise so hohe Zinsen.
Daher sorgen die Bausparkassen jetzt dafür, dass die Kunden „gegangen werden“. Mehr als 200.000 Altverträge hat es erwischt, sie wurden einfach gekündigt. Und das ist wohl erst der Anfang.

Hinfort, Bestandskunden, hinfort!

Die Schwäbisch Hall macht sich so ernsthafte Sorgen, dass sie sich entschieden hat, die Notbremse zu ziehen. Für 50.000 Altverträge will die Bausparkasse Kündigungen an ihre Kunden verschicken. Der „Verband der privaten Bausparkassen“ verteidigt in Gestalt seines Vorsitzenden Andreas Zehnder dieses Vorgehen: „Wenn wir sehen, dass wir auf eine Nebelwand zufahren, müssen wir rechtzeitig bremsen“, findet Zehnder.
Ein Nachspiel könnte die Kündigungswelle übrigens noch haben, nicht nur für Schwäbisch Hall, sondern auch für andere Bausparkassen wie BHW, Wüstenrot oder LBS, die ähnlich agieren. Denn ob die Kündigungen rechtmäßig sind, darf durchaus kritisch hinterfragt werden. So wie es aussieht, sind Kündigungen nur erlaubt, wenn die entsprechenden Kunden die Bausparsumme schon erreicht haben. Das ist jedoch häufig gar nicht der Fall.
Ein weiterer Stein also, der den Bausparkassen auf die Füße fallen könnte.

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2 Kommentare

  1. M. Preuss sagt

    Jetzt rächt sich, dass einige Bausparkassenvertreter früher aus Provisionsgier hohe Bausparsummen mit kleinen Sparbeiträgen anboten. Es dürfte ewig dauern, bis bei diesen Verträgen die Zuteilungszeit erreicht ist. Und die Sparer können sich jetzt über hohe Zinsen freuen.

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