Finanzscheinwelt, Geld
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Was sind Ihnen 2,6 Prozent aufs Tagesgeld wert?

Auf jeden Fall, jede Menge Ärger und Zeit, wenn es schief geht!

Hinter dem aktuellen Drama um den Euro, kündigt sich ganz langsam ein neues Drama an – das Bankendrama?

Die Royal Bank of Scotland (RBS) kennt zwischenzeitlich jeder Fernsehzuschauer, jeden Abend erklärt uns ein freundlicher Herr,  wie toll die RBS mit Ihren 2,6 Prozent Zinsen aufs Tagesgeld doch ist! Die RBS ist auch in der englischen Einlagensicherung, jedoch nur bis 100.000,- €.

Also alles wunderbar und sicher?

Heute findet sich ein kleiner Artikel im Handelsblatt zur aktuellen Situation der RBS und der ließ mich doch aufhorchen.

Der britische Premier David Cameron versucht die Probleme der RBS durch die Eurokrise klein zu reden. Hierzu muss man wissen, dass der englische Staat 2008 ca. 52 Milliarden Euro in die RBS investierte, um sie vor der Pleite zu retten und die Bank heute zu 83 Prozent dem Staat gehört.
Jetzt stehen schon wieder ca. 60 Milliarden Euro im Feuer, diesmal sind es jedoch Anleihen der angeschlagenen Eurostaaten (Griechenland, Spanien, Portugal und Italien) die die Bank in erneute Schieflage bringen könnten.

Also ich würde mein sauer verdientes Geld, trotz 2,6 Prozent aufs Tagesgeld, dieser Bank nicht mehr anvertrauen! Oder haben Sie schon vergessen, wie lange die Anleger bei den isländischen Banken, auf Ihr Geld warten mussten! Sind 0,1 Prozent mehr an Zins p.a., im Fall der Fälle, den Ärger wirklich wert?

Es gibt es genügend deutsche Banken, die mit 2,5 Prozent eine ähnliche Verzinsung anbieten.

Kleines Rechenbeispiel, wenn Sie 100.000,- Euro anlegen, sind das bei 0,1 Prozent mehr, genau 100,- Euro im Jahr und dafür das ganze Risiko?

4 Kommentare

  1. Guten Tag,
    ich vermute, Sie verwechseln die Royal Bank of Scotland (RBS) mit der Bank of Scotland. Die RBS wurde vom britischen Staat massiv gestützt und ist nun zu 83% in Staatseigentum. Die Bank of Scotland hat mit der RBS gar nichts zu tun, gehört inzwischen zur Lloyds-Gruppe, wirbt mit diesen 2,6% (inzwischen sogar 2,7%); sie gehört auch zum deutschen Einlagensicherungsfonds.
    In einem Punkt haben Sie aber völlig recht: es sollte genau überlegt werden, wem man sein Geld anvertraut, und Werbebotschaften sollten sicherlich nicht das alleinige Kriterium für diese Entscheidung sein.
    Beste Grüße
    Stefan Selbach

  2. Sehr geehrter Herr Selbach,

    Sie haben Recht, die Bank of Scotland hat nichts mit der Royal Bank of Scotland (RBS) zu tun. Die angesprochenen Stützungsmaßnahmen beziehen auf die RBS.

    Die Bank of Scotland ist jedoch nicht in der dt. Einlagensicherung, hier ein Auszug aus den AGB´s:
    Der britische Einlagensicherungsfonds gilt für die Bank of Scotland
    Ab dem 31.12.2010 schützt der staatliche Einlagensicherungsfonds Großbritanniens die Einlagen jedes Anlegers bis zu einer Höhe von 85.000 Britischen Pfund zu hundert Prozent. Die Bank of Scotland hat ihren Hauptsitz im schottischen Edinburgh und ist damit dem britischen Einlagensicherungsfonds angeschlossen. Das bedeutet für die deutschen Kunden, dass ihr Vermögen bis zu einer Höhe von 85.000 Britischen Pfund komplett geschützt wird.

    Ich würde also, wenn überhaupt, nicht mehr als 100.000,- € bei der Bank of Scotland anlegen. Ob sich das ganze „Bankhoping“, wegen einiger Zehntel wirklich lohnt, diese Frage muss sich jeder Anleger selbst stellen.

  3. Guten Tag Herr Hieber,

    ich habe gerade eben nochmal nachgeschaut: Auf der Homepage der Bank of Scotland ist tatsächlich nur von der englischen Einlagensicherung die Rede. Allerdings ist die Bank mittlerweile Mitglied im Bundesverband deutscher Banken (Startseite der Homepage). Die Information zur deutschen Einlagensicherung hatte ich von hier: http://www.tagesgeld-news.de/tagesgeld/bank-of-scotland-erweitert-einlagensicherung/ Evtl. ist deren Homepage noch nicht vollständig aktuell?

    Bankhopping – Ich persönlich habe noch nie verstanden, wieso einer Bank „neues Geld“, also die Akquise von Einlagen, so viel mehr wert ist als bereits bestehende Guthaben. Der Bestandskunde hat dadurch einen Anreiz, Bankhopping zu betreiben und regelmäßig umzuschichten, um überall den Neueinlage-/Neukundenaufschlag mitzunehmen. Tut er es nicht, wird er von der eigenen Bank mit schlechteren Konditionen bestraft. Beispiel Cortal Consors: derzeit ein lockender Zinssatz von 2,6% für Neukunden 12 Monate lang. Bestandskunden erhalten dort aber nur 1,75%. Wüstenrot, IngDiba, Volkswagenbank machen es genau so oder ähnlich, um nur einige zu nennen. Und Konto eröffnen und wieder schließen wird interessanterweise auch belohnt, Beispiel Comdirect („50 Euro, wenn Sie uns mögen … 100 Euro, wenn nicht“).

    Die gut abgesicherte Bank, die faire Konditionen bietet und dem Kunden nicht durch Sonderbehandlung von Neukunden Aktivismus aufhalst, die ist in der Tat gar nicht so leicht zu finden. Und wenn sie gefunden ist, dann bedient sie häufig nur ein Segment des Marktes. Beispielsweise sind Kapitalgesellschaften häufig von so netten Zinssätzen ausgeschlossen.

    Meine Vermutung ist, dass es immer mehr solche zeitlich beschränkten Neukundenprogramme geben wird und sich Bankhopping immer mehr lohnen wird. Einfach aufgrund der Tatsache, dass es für die Banken stetig schwieriger wird, langfristig ausgegebene Kredite – oder: wasauchimmer – mit kurzfristigen Tagesgeldern zu refinanzieren und dabei unter Berücksichtigung etwaiger Ausfälle auch noch Geld zu verdienen. Bleibt die Frage, wie sich die Risiken und die Zinssätze entwickeln werden.

    Es bleibt auf jeden Fall spannend.

    Beste Grüße und schönes Wochenende
    Stefan Selbach

  4. Sehr geehrter Herr Selbach,

    vielen Dank für den Hinweis zu erhöhten Einlagensicherung der Bank of Scotland, beruhigt mich etwas, da ich einige Mandanten habe, die dort Tagesgeld haben.

    Generell stellt sich ja die Frage, ob es überhaupt langfristig einen Mehrwert bringt, ständig nach den besten / billigsten Angeboten Ausschau zuhalten, sei es beim Tagesgeld oder den Billigangeboten beim Discounter. Weniger ist oft mehr! Da sich die meisten Menschen zu wenig mit der Planung Ihren Geldanlagen auseinander setzten, ist die Liquidität (Tagesgeld) meist zu hoch. Eine gute Strategie mit verschiedenen Laufzeit, bringt oft mehr und bedeutet weniger „Streß“.

    In diesem Sinne ein schönes Wochenende!
    Grüße Peter Hieber

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