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Produktinformationen: Opazität statt Transparenz

Beipackzettel bei Medikamenten tragen in der Regel eher zur Verwirrung als zur Aufklärung bei. Bei Geldanlagen verhält es sich leider nicht anders. Deshalb hat sich das Institut für Transparenz (ITA) die Produktinformationen (PIB) von 438 Informationsblättern rund um Kapital- und Risikolebensversicherungen einmal genauer angesehen. Und ist zu ernüchternden Ergebnissen gekommen.

Jeder weiß, was Transparenz bedeutet. Dass das Gegenteil Opazität genannt wird, ist nur den wenigsten bekannt. Um das im allgemeinen Sprachgebrauch nur selten verwendete Wort zu verstehen, reicht oft ein Blick in die „Produktinformationen (PIB)“ von Versicherungsgesellschaften. Die sind nämlich meist nicht etwa transparent, sondern … Sie ahnen es bereits: opak (das Adjektiv von Opazität).

Das verstehe, wer kann …

Die Produktinformationen einer Lebensversicherung lesen sich nicht wie die Hochglanzbroschüren, die der Verkäufer seinem Kunden feierlich überreicht. Kein Wunder, schließlich geht es um knallharte Fakten, genauer: um gesetzliche Vorgaben und um sprachliche Verständlichkeit. Beides hat sich das ITA angesehen, 438 Beipackzettel von insgesamt 63 Anbietern wurden unter die Lupe genommen. Zuvor hatte sich das Institut bereits die Informationsblätter von Berufsunfähigkeitsversicherungen angeschaut und festgestellt, dass in Sachen Verständlichkeit keines von ihnen überzeugen konnte. Die gesetzlichen Vorgaben wurden ebenfalls nur in wenigen Fällen erfüllt.

Ein „sehr gut“, das niemand versteht

Das ITA hat bei der Bewertung der Produktinformationen sowohl die gesetzlichen Vorgaben (mit 60 Prozent) als auch die verständliche Sprache (mit 40 Prozent) in sein System aufgenommen. Insgesamt ergab die Prüfung bei 13 Prozent der Informationsblätter die Note „sehr gut“. Dieser Wert ist – man kann es kaum anders formulieren – geradezu unterirdisch. Noch weniger bedeutsam ist er, wenn man sich klarmacht, dass dieses „sehr gut“ nur zustande kam, weil nach der Meinung des ITA eben jene 13 Prozent die Gesetzesvorgaben erfüllen konnten. Über die Verständlichkeit sagt das jedoch nichts aus.

Klar ist nur das Offensichtliche

Bei Licht betrachtet sind die gesetzlichen Vorgaben im Grunde genommen irrelevant. Denn selbst wenn diese erfüllt werden, bleibt doch die sprachliche Verständlichkeit auf der Strecke. Transparenz allerdings, dieses große Wort, das sich Lebensversicherer gern auf die Fahnen schreiben, lebt von Verständlichkeit. Die aber ist gerade bei wichtigen Punkten wie Kostenstrukturen oder Risiken kaum zu finden. Immerhin 87 Prozent der Informationsblätter zeigen die Produktkosten nur sehr vage an, so vage, dass man es kaum versteht. Bei 61 Prozent der Informationsblätter werden unvollständige Angaben zu den Risiken gemacht. Hinzu kommen konstruierte Schwierigkeiten wie die Schriftgröße, die teilweise so klein ist, dass man fast eine Lupe braucht, um überhaupt die Informationen lesen zu können. Auch lange Schachtelsätze, die es offenkundig erschweren, die Inhalte zu begreifen, sind fester Bestandteil vieler Informationsblätter.

Solange die Versicherer Transparenz nicht leben, sondern mit allen erdenklichen Mitteln umgehen, sind die gesetzlichen Vorgaben nicht maßgebend. Denn ein Gesetz – und sei es noch so gut und richtig -, das nicht verstanden wird, taugt nur wenig. Zumindest für die Kunden von Lebensversicherungen.

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