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Market Timing: Gut für Verkäufer, schlecht für die Nerven

Die Zinsen, die Zinsen. Es vergeht wohl kein Tag, an dem sie nicht eines der beherrschenden Themen wären. Sie sind nach wie vor abgrundtief niedrig, auch wenn hier und dort ein leichter Anstieg zu verzeichnen ist. Doch für eine vernünftige Geldanlage reicht es eigentlich noch nicht. Kreativität ist gefragt. Oder ein glückliches Händchen. Das zu haben, versprechen Verkäufer von Market Timing.
Doch stimmt das auch?

Gibt es den magischen richtigen Zeitpunkt?

Sind Sie schon einmal Paternoster gefahren? Also in einem dieser Aufzüge, die nie anhalten, sondern ständig in Bewegung sind? Kinder machen das gerne, aber auch Erwachsene erliegen oft dem Charme dieses charmanten Transportmittels. Alles, worauf Sie achten müssen, ist der richtige Zeitpunkt. Für den Einstieg. Und für den Ausstieg. Nichts anderes versprechen Finanzdienstleister, die Market Timing anbieten. Sie schwadronieren vom „richtigen Zeitpunkt“ und erläutern Ihnen gern und umfangreich, dass Ihre Renditechancen mit genau dieser Strategie am besten stehen. Das Finanzgeschäft ist schnelllebig, so schnelllebig, dass man mit herkömmlichen Mitteln kaum die richtige Geldanlage ausfindig machen kann.
Doch den magischen richtigen Zeitpunkt gibt es nicht. Und Market Timing ist daher wie viel reden und nichts sagen. Zu einem gesunden Schlaf trägt es darüber hinaus auch nicht gerade bei.

Teurer Service ohne Effekt

Market Timing – das klingt gut, keine Frage. Marktkenntnisse sind nie verkehrt, und das richtige Timing, meine Güte, das ist doch nun wirklich ein Garant für Erfolg.
Oder?
Oder … auch nicht.
Market Timing bedeutet sinngemäß „Der richtige Einstieg in den Markt“. Etwas sperriger, aber nicht weniger korrekt ist der Begriff „Effizienzmarkthypothese“. Hier steckt aber auch schon der Teufel im Detail. Denn bei einer Hypothese handelt es sich um eine nicht bewiesene Behauptung, umgangssprachlich auch: Unterstellung.
Und tatsächlich, die Anbieter der Idee Market Timing unterstellen, dass sie den Zeitpunkt für den richtigen Einstieg vorhersagen bzw. bestimmen können. Sie geben also Mehrwertversprechen ab. Nicht weniger. Aber auch nicht mehr. Und diese Annahmen halten einer wissenschaftlichen Untersuchung nicht stand. Der Service hat also einen wohlklingenden Sound. Kostet nicht wenig Geld. Belastet aber Portemonnaie und Nerven des Anlegers.

Der lange Atem gewinnt

Gegenüber langfristig angelegten Geldern zeigt sich Market Timing auf schwachen Beinen. Am Beispiel des Aktienmarktes S & P 500 und dem Betrachtungszeitraum von 1988 bis 1997 hat sich Market Timing als Anlagestrategie gegenüber dauerhaften Investitionen als echter Geldvernichter erwiesen.
Die einzig wahre Anlagestrategie gibt es nicht. Sie ist immer gekoppelt an eine persönliche Analyse und eine genauen Planung. Der Blick in die Kugel funktioniert also nicht und kostet den Anleger meist Geld, während die nervliche Belastung durch ständig wechselndes Risiko hinzukommt.

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