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Leben ohne Bargeld: Wird alles gut?

Und es geht los. Mal wieder. Die Debatte ums Bargeld. Wir erleben die Diskussion darüber nicht zum ersten Mal, und ganz sicher auch nicht zum letzten Mal. Allein die guten Gründe erschließen sich dabei nur wenig. Einer der wesentlichen ist das Verhindern von Geldwäsche und sonstigen kriminellen Aktivitäten im Zusammenhang mit Geld. In die entgegengesetzte Richtung geht ein anderes Argument: das des Datenschutzes. Ein Argument, das es in sich hat.

Keine Kriminalität mehr ohne Bargeld?

Auf Facebook wurde vor kurzem ein Bild mit einem Text gepostet, der es gut zusammenfasst. Dort stand sinngemäß: „Ich werde demnächst alle meinen Schwarzgeldaktivitäten einstellen. Ohne den 500-Euro-Schein ist mir das einfach zu kompliziert.“
Der Joke wurde oft geteilt und reichlich kommentiert, bringt er doch auf den Punkt, worum es geht. Das Argument für die Abschaffung des 500-Euro-Scheins oder des Bargelds an sich läuft ins Leere. Wirtschaftskriminalität funktioniert nicht ausschließlich über Bargeld, in vielen Fällen ist das gar nicht nötig. Es gibt einfach zu viele Wege, illegale Geschäfte zu tätigen, daran würde die Abschaffung des Bargeldes auch nichts ändern. Was sich massiv ändern würde, wäre allerdings der Datenschutz oder besser: der dann fehlende Datenschutz.

Heute schon im Bordell gewesen?

Je mehr wir „auf Karte“ kaufen, desto durchsichtiger werden wir. Und selbst alle jene, die schnell „Ich hab‘ doch nichts zu verbergen!“ rufen, könnten ins Grübeln können, wenn sie darüber nachdenken, ob das wirklich so ist. Denn wenn womöglich bisher die Psychotherapie bar gezahlt wurde, damit weder Arbeitgeber noch Krankenkasse davon „Wind bekommen“, mit der Abschaffung des Bargeldes wäre es vorbei mit der diskreten Behandlung. Vielleicht gibt es also doch Dinge, die man gern verborgen wissen möchte.
Denkbar als Grund für das Bargeld sind auch brisante Aktivitäten. Wer einen Bordellbesuch plant, wird dafür sorgen, genügend Bargeld im Portemonnaie zu haben. Auf dem Kontoauszug oder der Kreditkartenabrechnung will man Posten mit dem Betreff „Liebesdienste“ oder ähnliches nicht unbedingt sehen.
Doch es geht auch um etwas anderes: Werbung.

Der gläserne Kunde

Einmal kurz nach „Bio-Milch“ googeln reicht völlig, um uns gläsern zu machen. Es dauert wahrscheinlich keine fünf Minuten, bis uns entsprechende Anzeigen auf Google, Facebook und wo auch immer vorgeschlagen werden. Weil jede Online-Aktivität Spuren hinterlässt. Das funktioniert natürlich noch viel besser, wenn die letzten Schwachstellen „beseitigt“ sind. Gemeint ist das Bargeld, das uns ermöglicht, unauffällig unser Leben zu führen.
Doch unauffällig zu sein, das ist nicht gewünscht. Auch das steckt hinter dem Wunsch, das Bargeld abzuschaffen.

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