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„Garantiert beschissen!“ – Eine Abrechnung mit den Lebensversicherungen

Der Ruf der Lebensversicherung kränkelt schon seit Jahren. Und wenn man sich die Fakten hinter schillernden Hochglanzbroschüren ansieht, tut sie das durchaus zu recht. Bei den meisten Kunden ist aber noch nicht angekommen, dass es nicht gut steht um die Lebensversicherung. Nach der Lektüre des neuen Buches von Dagmar Hühne und Holger Balodis könnte der eine oder andere Vertrag aber „in der Tonne“ landen.

Die Autoren Balodis und Hühne wissen, wovon sie schreiben. Sie waren bereits bei Magazinen wie „Monitor“ oder „Ratgeber Recht“ vertreten und sind Kenner der privaten Altersvorsorge. Mit ihrem neuen Buch „Garantiert beschissen! Der ganz legale Betrug mit den Lebensversicherungen“ teilen sie kräftig aus. Allerdings tun sie ganz auf der Grundlage von Fakten, es ist keineswegs ein vermeintlich politisch korrektes Lebensversicherungs-Bashing, sondern eine fundierte Analyse darüber, dass das Prinzip der Lebensversicherung an sich der Fehler ist.

Kein Fehler im System, das System als Fehler

Natürlich leiden die Versicherer unter der Finanzkrise der letzten Jahre. Auch sie kochen nur mit Wasser und können keine großartigen Renditen erwirtschaften, wenn die eigenen Geldanlagen unter dem Niedrigzins leiden. Doch Hühne und Balodis sehen die Grundproblematik ganz woanders. Sie dokumentieren hohe und intransparente Kosten der Versicherer, die an die Kunden weitergereicht werden. Sie prangern Langzeitprognosen an, die einer ernsthaften Überprüfung kaum standhalten können. Sie beschreiben ungünstige Sterbetafeln, die zu geringeren Auszahlungen führen. Sie bemängeln Überschüsse, die verschoben werden, beklagen unerhört hohe Provisionen für Vertreter und beschreiben unzureichende Beratung von Lebensversicherungskunden.
Kurz: die Autoren stellen das gesamte Produkt Lebensversicherung auf den Prüfstand und attestieren ihm das Versagen auf ganzer Linie.

Unwissenheit und Lobbyarbeit

Offenbar wissen die Lebensversicherer nur allzu gut, dass ihr Produkt längst nicht halten kann, was es verspricht. Auch deshalb wird den Kunden nicht wirklich erklärt, was sie da eigentlich einkaufen, um sich abzusichern. Stattdessen werden sie mit vermeintlichen Fakten „zugeschüttet“. Wer sich einmal durch eine 100 Seiten lange Broschüre gequält hat, ist hinterher nicht schlauer, sondern meist einfach nur ratlos.
Doch Balodis und Hühne gehen auch auf die Verbindungen zwischen Versicherungswirtschaft und Politik ein. Nicht erst seit der engen Freundschaft zwischen Ex-Kanzler Gerhard Schröder und dem damaligen AWD-Chef Carsten Maschmeyer ist bekannt, dass die Versicherungswirtschaft eine starke Lobby ist. Und die lässt sich nicht gern in die Karten schauen. Weder von der Politik noch von den Kunden.

Ein bisschen sachlicher wäre schön gewesen

Was die Autoren eigentlich nicht nötig gehabt hätten, ist die an einigen Stellen übertrieben provokante Sprache. Beginnend beim Titel des Buches ziehen sich Formulierungen wie „Beschiss“, „Klau“, „Beute“ und „Opfer“ durch das Buch. Das mag inhaltlich sogar stimmen, bietet aber eine Angriffsfläche für Kritiker, die zu vermeiden gewesen wäre.
Gut lesbar ist das Buch dennoch. Und absolut empfehlenswert sowieso.

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