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Die Berufsunfähigkeitsversicherung: unverzichtbar oder überflüssig?

Ähnlich wie die Haftpflichtversicherung gilt auch die Berufsunfähigkeitsversicherung (kurz: BU) als unverzichtbar. Doch die Fassade hat Risse bekommen, an einigen Stellen bröckelt sie sogar und es knirscht im Gebälk – um es einmal bildhaft zu formulieren. Was also spricht für und was gegen die BU?

Elitär und unzuverlässig?

Für Axel Kleinlein, Chef der Verbraucherschutzorganisation Bund der Versicherten (BdV) ist die Sache klar. Es sieht es offenbar wie Sir Peter Ustinov es einst formulierte: Banken bieten Dir einen Regenschirm an, wenn die Sonne scheint. Für Kleinlein ist das Problem der BU ähnlich gelagert. Schutz erhalten im wesentlichen Menschen, die kerngesund sind, also sogenannte „gute Risiken“ darstellen. Alle anderen kommen gar nicht erst durch die Risikoprüfung.

Weiterer Kritikpunkt: Im Zweifel zahlen die BU-Versicherer nicht, sondern versuchen, sich über komplizierte Bedingungen und übermäßig strenge Überprüfungen aus der Leistung heraus zu“bearbeiten“. Dabei zeigen sie meist einen langen Atem, den der Kunde letztlich durchhalten kann.

Bürgernah und verlässlich?

Peter Schwark ist Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (kurz: GDV). Und er sieht die Sache naturgemäß deutlich anders. Schwark kann nicht erkennen, dass der Schutz vor Berufsunfähigkeit auch nur ansatzweise wieder in die Hände des Staates übergeben wird, wie oft gefordert wird. Denn, so argumentiert er, eben jener Staat habe sich ganz bewusst dafür entschieden, nur noch die Erwerbsunfähigkeit abzudecken. Weil diese auch den Wechsel in Jobs beinhaltet, die mit dem zuletzt ausgeübten Beruf nichts zu tun haben. Ein Recht auf die Ausübung des erlernten Berufs gebe es also nur mit der Berufsunfähigkeitsversicherung.

Das Argument, BU-Versicherer würden sich nur die guten Risiken „herauspicken“, lässt Schwark ebenfalls nicht gelten. Immerhin 94 Prozent aller Anträge würden angenommen werden, sagt Schwark. Das Problem sieht er vielmehr bei den Menschen selbst. Denen, so argumentiert er, fehle häufig ein Gefühl für das Risiko, dem sie sich aussetzen, wenn sie ihre Arbeitskraft nicht versichern.

Die Wahrheit dazwischen

Wie so oft, wenn sich zwei streiten, fehlt ein Dritter, der dem Ganzen etwas Schärfe nimmt. Denn faktisch ist an beiden Argumentationsweisen etwas dran. Natürlich schafft es nicht jeder, eine BU zu bekommen. Nicht wenige befassen sich allerdings gar nicht erst mit dem Thema. Und natürlich prüfen Versicherer sowohl Anträge auf Absicherung als auch auf Leistungsbezug. Und es mag auch Anbieter geben, die grundsätzlich eher dazu neigen, Anträge abzulehnen. Doch schwarze Schafe gibt es in jeder Branche.

Letztlich kann man sagen, dass er zur Berufsunfähigkeitsversicherung derzeit keine Alternative gibt, wenn man ganz konkret seinen aktuellen Beruf absichern möchte. Hier hat sich der Staat nämlich tatsächlich aus seiner Verpflichtung verabschiedet.

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